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Dieses Werk ist eine Übersetzung aus dem Englischen.

Freie Software und (E-)Government

von Richard Stallman | Erstveröffentlichung in The Guardian London 2005

Die Regierung des Vereinigten Königreichs hat die Entwicklung von Software für E-Government[*] sinnvoll finanziert und weiß nun nichts damit anzufangen. Jemand hatte die helle Idee, sie Gemeinderäten auszuhändigen, und forderte sie auf, sich in Softwareunternehmen zu wandeln.

Um diese Software zu entwickeln, hat die Öffentlichkeit bereits bezahlt. Ist es nicht absurd sie nun, für die Erlaubnis sie einzusetzen, erneut zahlen zu lassen? Ist es nicht absurd zu beschränken, was sie damit anstellen kann? Leider ist solche Absurdität nicht ungewöhnlich. Es entspricht der üblichen Praxis, dass Regierungen öffentlich finanzierte Software in private Hände geben, an Unternehmen, die die Öffentlichkeit ‑ und durchaus die Regierung ‑ für die Erlaubnis, um sie danach einsetzen zu können, bitten lässt.

Schlimmer noch, sie verhängen frustrierende Nutzerbeschränkungen, verweigern ihnen den Zugang zum Software-Quellcode, versagen Pläne, die ein Programmierer lesen, verstehen und ändern kann. Alles, was Nutzer bekommen, ist eine ausführbare Programmdatei, eine „Blackbox“, damit sie nichts anpassen, verstehen oder sogar überprüfen können, was diese bewirkt.

Für diese unsinnige Politik gibt es einen sinnvollen Grund: sicherstellen, dass sich jemand um die Software kümmert, also der Behebung der Probleme, die zwangsläufig auftreten, und der Anpassung an neue Bedürfnisse. Menschen, benutzt um zu glauben, dass mit einigen Unternehmen die ganze Nutzung der Software kontrolliert und alle Nutzer unter ihrer Fuchtel zu haben, der einzige Weg sei, das zu tun.

Heute kennen wir einen anderen Weg: Freie Software (auch bekannt als Open-Source-Software (OSS) bzw. Freie und Open-Source-Software (FOSS)). Freie Software bedeutet, dass es Nutzern frei steht, diese Software zu nutzen, sie weiterzuverteilen, sie zu untersuchen oder sogar zu erweitern, um weitere Aufgaben damit erledigen zu können.

Das Wort frei bezieht sich einzig auf Freiheit, nicht auf den Preis; man sollte an Redefreiheit denken, nicht an Freibier. Wenn es Benutzer gibt, die den Wert von Unterstützung zu schätzen wissen und bereit sind, dafür zu bezahlen, bedeutet Freie Software einen freien Markt für Unterstützung anstatt eines Monopols. Auch Behörden bietet Freie Software eine Möglichkeit ihrer Verantwortung gerecht zu werden, die souveräne Kontrolle über die Rechner des Staates zu behalten und diese Kontrolle nicht in private Hände fallen zu lassen.

Seit 1984 haben Gruppen Freiwilliger leistungsfähige und nützliche freie Programme entwickelt und betreut ‑ anfangs ein paar, dann ganze Betriebssysteme wie GNU/Linux und BSD. Heute umfasst das Freie-Software-Verzeichnis fast 4.000 freie Softwarepakete. Die Regierung des Vereinigten Königreichs hat bereits beschlossen, die Freie-Software-Nutzung auszubauen; dies wäre die perfekte Gelegenheit, sie sowohl zu nutzen als auch dazu beizutragen.

Das Büro des Vizepremierministers sollte aus den E-Government-Programmen Freie Software machen, eine Webpräsenz zum Hosten Ihrer Entwicklung einrichten und eine Handvoll Menschen einstellen, um die Arbeit zu beaufsichtigen. Regierungen auf der ganzen Welt werden dann beginnen diese Software zu benutzen, zu verbessern, zu erweitern und die Verbesserungen wieder beitragen.

Die ganze Welt wird davon profitieren, und alle Nutzer werden die Führung Großbritanniens bewundern.

‑ Richard Stallman rief 1984 das Betriebssystem GNU (www.GNU.org) ins Leben und gründete 1985 die Free Software Foundation (www.FSF.org).

Anmerkungen des Übersetzungsteams:

Dieses Dokument wurde (noch) nicht von www-de-Mitgliedern bzw. interessierten Mitwirkenden begutachtet. Bitte unterstützen Sie uns dieses hinsichtlich Rechtschreibung, Grammatik, Typografie, Stil und sachlicher Richtigkeit zu überprüfen und melden Korrekturvorschläge an <www-de-translators@gnu.org>.

  1. [*] E-Government ‚E-Regierung‘ ist der Einsatz elektronischer Informationstechnologien, um die Dienstleistungen der Behörden für Bürger und Unternehmen einfach und schnell zugänglich zu machen. Es dient dem Informationsaustausch zwischen Behörden und Bürgern sowie Unternehmen, aber auch zwischen und innerhalb von Behörden. Das kann der Austausch von Formularen, Informationen oder Akten sein, das Stellen oder Bearbeiten eines Antrags oder einfach nur der Blick auf die Internetpräsenz einer Behörde, um sich über Öffnungszeiten oder benötigte Formulare zu informieren.

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