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Dieses Werk ist eine Übersetzung aus dem Englischen.

Wann Freie Software (aus praktischer Sicht) nicht besser ist

von Benjamin Mako Hill

Das Leitbild der Open Source Initiative (OSI) lautet: „Open Source ist eine Entwicklungsmethode für Software, die die Macht der verteilten Peer-Review und Transparenz des Prozesses nutzt. Das Versprechen von Open Source ist bessere Qualität, höhere Zuverlässigkeit, mehr Flexibilität, geringere Kosten und ein Ende der rücksichtslosen Anbieterabhängigkeit.“

Seit mehr als einem Jahrzehnt spricht sich die Free Software Foundation gegen diese „Open Source“-Charakterisierung der Freie-Software-Bewegung aus. In erster Linie haben sich Freie-Software-Befürworter gegen dieses Schubladendenken ausgesprochen, weil „Open Source“ eine explizite Bemühung ist unsere Kernbotschaft von Freiheit herunterzuspielen und die Rolle unserer Bewegung in den Erfolg der von uns geschaffenen Software zu verschleiern. Wir haben argumentiert, dass „Open Source“ grundlegend schlecht ist, weil sie davon abzuhalten versucht über Softwarefreiheit zu sprechen. Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum wir dem Open-Source-Schublade gegenüber argwöhnisch sein sollten. Das grundlegende Open-Source-Argument, wie im Leitbild oben zitiert, ist oft falsch.

Obwohl die Open-Source-Initiative suggeriert, Das Versprechen von Open Source ist eine bessere Qualität, höhere Zuverlässigkeit, mehr Flexibilität …, wird dieses Versprechen nicht immer realisiert. Obwohl wir nicht oft auf die Tatsache aufmerksam machen, kann jeder Nutzer eines in einem frühen Stadium befindlichen Freie-Software-Projekts dartun, dass Freie Software nicht immer ‑ aus rein praktischer Hinsicht ‑ so praktisch sei wie ihr proprietärer Gegenpart. Freie Software ist manchmal von geringer Qualität. Sie ist manchmal unzuverlässig. Manches mal unflexibel. Wenn man die Argumente zugunsten von Open Source ernst nimmt, muss man erklären, warum Open Source seinem „Versprechen“ nicht gefolgt ist und daraus schlussfolgern, dass proprietäre Hilfsmittel eine bessere Wahl wären. Doch dafür gibt es keinen Grund.

Richard Stallman erläutert in seinem Artikel Warum Open Source das Ziel Freie Software verfehlt: „Der Gedanke von Open Source ist, Benutzern das Ändern und Weiterverbreiten von Software zu erlauben, um sie leistungsfähiger und zuverlässiger zu machen. Aber das ist nicht garantiert. Entwickler proprietärer Software sind nicht notwendigerweise inkompetent. Manchmal stellen sie ein Programm her, das leistungsfähig und zuverlässig ist, obwohl es die Freiheit der Nutzer nicht respektiert.“

Für Open Source ist qualitativ schlechte Software ein zu erklärendes Problem oder ein Grund die Software ganz zu meiden. Für Freie Software ist ein Problem, dass daran fortgesetzt gearbeitet werden muss. Für Freie-Software-Befürworter sind Störungen und fehlende Eigenschaften nie eine Schande. Jedes Stück Freie Software, das die Freiheit der Nutzer respektiert, besitzt einen starken inhärenten Vorteil gegenüber einem proprietären Mitbewerber, bei dem das nicht der Fall ist. Selbst wenn andere Probleme gibt, hat Freie Software immer Freiheit.

Selbstverständlich muss an jedem Stück Freie Software an irgendeinem Punkt angefangen werden. Ein brandneues Stück Software wird kaum beispielsweise mehr können als ein ausgereiftes proprietäres Programm. Projekte beginnen mit vielen Programmfehlern und werden im Laufe der Zeit immer besser. Während Open-Source-Befürworter behaupten könnten, dass ein Projekt im Laufe der Zeit und mit etwas Glück in puncto Nutzen wächst, stellen Freie-Software-Projekte für einen Freie-Software-Befürworter vom ersten Tag an einen wichtigen Beitrag dar. Jede Software, die Nutzern die Kontrolle über ihre Technologie gibt, ist ein Schritt vorwärts. Verbesserte Qualität während ein Projekt reift ist das Sahnehäubchen.

Eine zweite, vielleicht noch vernichtendere Tatsache ist, dass der kooperative, verteilte Peer-Review-Entwicklungsprozess im Kern der Open-Source-Definition mit der Praxis der Softwareentwicklung in der überwiegenden Mehrzahl der Projekte unter freien (oder „Open-Source“-) Lizenzen wenig Ähnlichkeit hat.

Mehrere wissenschaftliche Studien der Freie-Software-Hosting-Präsenzen SourceForge und Savannah haben gezeigt, was viele Freie-Software-Entwickler, die eine Codebasis online stellten, bereits aus erster Hand wissen. Die bei weitem überwiegende Mehrheit der Freie-Software-Projekte ist nicht besonders kooperativ. Die durchschnittliche Zahl der Mitwirkenden an einem Freie-Software-Projekt auf Sourceforge? Eins. Ein alleiniger Entwickler. SourceForge-Projekte um den 95-Prozentbereich haben nach Teilnehmergröße nur fünf Mitwirkende. Mehr als die Hälfte dieser Freie-Software-Projekte ‑ und sogar die meisten Projekte, die mehrere erfolgreiche Freigaben veröffentlichten und häufig heruntergeladen wurden ‑ sind die Arbeit eines einzelnen Entwicklers mit wenig Hilfe von außen.

Durch die Betonung der Macht kooperativer Entwicklung und „verteilten Peer-Review“ scheinen Open-Source-Ansätze sehr wenig darüber auszusagen, warum man die überwiegende Mehrheit der Freie-Software-Projekte nutzen oder dazu beitragen sollte. Da der angebliche Nutzen der Zusammenarbeit nicht realisierbar sind, wenn es keine Zusammenarbeit gibt, sind die überwiegende Mehrheit freier Entwicklungsprojekte kein technischer Nutzen gegenüber einem proprietären Mitbewerber.

Für Freie-Software-Befürworter werden diese Projekte jeweils als wichtige Erfolge angesehen. Da jedes Stück Freie Software die Freiheit seiner Nutzer respektiert, behaupten Befürworter von Softwarefreiheit, dass jedes Stück Freie Software mit einem inhärenten ethischen Vorteil gegenüber proprietären Wi­der­sa­chern beginnt ‑ sogar noch einem mehr an Eigenschaften. Durch Betonung von Freiheit über praktischen Vorteilen, ist die Freie-Software-Befürwortung auf eine Weise in einer technischen Sachhaltigkeit so verwurzelt, wie es „Open Source“ häufig nicht ist. Wenn Freie Software besser ist, können wir diese Tatsache feiern. Wenn sie es nicht ist, müssen wir sie nicht als eine vernichtende Rezension der Freie-Software-Befürwortung oder gar als überzeugendes Argument gegen die Nutzung der betreffenden Software behandeln.

Open-Source-Befürworter müssen ihre These verteidigen, dass frei entwickelte Software besser sein sollte als proprietäre Software bzw. mit der Zeit wird. Freie-Software-Unterstützer können stattdessen fragen, „Wie können wir Freie Software besser machen?“ Innerhalb eines Freie-Software-Rahmens gibt es qualitativ hochwertige Software als Mittel zum Selbstzweck, anstatt einem Ende selbst. Freie Software-Entwickler sollten bestrebt sein, funktionelle, flexible Software zu entwickeln, die ihren Nutzern auch dienlich ist. Doch dies ist nicht der einzige Weg zur Lösung, welcher sowohl ein leichteres als auch viel wichtigeres Ziel ist: Respektieren und Schützen ihrer Freiheit.

Natürlich müssen wir keine Behauptungen zurückweisen, dass Zusammenarbeit eine wichtige Rolle bei der Schaffung qualitativ hochwertiger Software spielen kann. In vielen der erfolgreichsten Freie-Software-Projekten wurde es offenbar genau so gehandhabt. Der Nutzen von Zusammenarbeit ist (auch) etwas zu verstehen, zu unterstützen und darauf hinzuarbeiten, anstatt etwas als selbstverständlich zu betrachten, angesichts des Beweises derer, die sich weigern sich der Ideologie anzupassen.

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