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Wider die Digitale Rechteverwaltung

von Richard Stallman

1989, in einer völlig anderen Welt, schrieb ich die erste Fassung der GNU General Public License (GNU GPL), eine Lizenz, die dem Nutzer eines Computers Freiheit gibt. Die GNU GPL ist von allen Freie-Software-Lizenzen diejenige, die die Werte und Ziele der Freie-Software-Bewegung am weitesten umsetzt, indem sie jedem Nutzer die vier grundlegenden Freiheiten garantiert: Die Freiheit, nach eigenen Wünschen

  1. das Programm zu nutzen,
  2. die Quellen des Programmes einzusehen und zu verändern,
  3. Kopien zu erstellen und zu verteilen,
  4. angepasste Versionen zu erstellen und zu verteilen.

Jede Lizenz, die diese Freiheiten gewährt, ist eine freie Lizenz. Die GNU GPL geht jedoch weiter: Sie schützt diese Freiheiten für alle Nutzer aller Versionen eines Programmes, indem sie jedem Zwischennutzer untersagt, diese einzuschränken. Die meisten Bestandteile des GNU/Linux-Betriebssystems, einschließlich der Linuxbestandteile, die 1992 zu Freier Software erklärt wurden, wurden unter die GPL Version 2 gestellt (1992 veröffentlicht). Momentan arbeite ich am Entwurf der Version 3 der GNU GPL - mit der rechtlichen Unterstützung von Professor Eben Moglen.

Die GPLv3 muss mehreren Bedrohungen der Freiheit standhalten, die wir uns 1989 noch nicht vorstellen konnten. Die kommende Generation der Computer, Computer mit immer stärker integrierter Funktionalität, und viele Produkte werden gegen uns aufgestellt, noch bevor wir sie kaufen: Sie werden so konstruiert, dass wir eingeschränkt sind in dem, was wir mit ihnen tun können.

Zunächst gab es die Festplattenrekorder von TiVo. Man mag sich darunter ein Gerät zum Aufzeichnen von Fernsehprogrammen vorstellen, aber er enthält einen richtigen Computer mit einem GNU/Linux-Betriebsystem. Wie es die GPL verlangt, kann man den Quellcode für das Betriebssystem erhalten; man kann ihn ändern, neu kompilieren und installieren. Aber sobald einmal die veränderte Version aufgespielt ist, läuft der Festplattenrekorder nicht mehr, weil eine speziell hierfür entwickelte Vorrichtung dies verhindert. Freiheit Nr. 1, die Freiheit, die Software nach eigenen Wünschen zu ändern, existiert nur noch zum Schein.

Dann kam Treachures Computing ("Trügerische Datenverabeitung"), die als "Trusted Computing" ("Vertrauenswürdige Datenverarbeitung") beworben wurde. Soll heißen, dass Firmen eher Ihrem Computer als Ihnen darin "vertrauen", ihnen zu gehorchen. So legt denn das Netzwerk fest, mit welchen Programmen Sie arbeiten und wenn Sie dies ändern, verweigert es die Zusammenarbeit. Und erneut wird Freiheit Nr. 1 zur Scheinfreiheit.

Microsoft verfolgt einen Plan, ursprünglich unter dem Namen "Palladium", der Anwendungsprogrammen erlaubt, Daten so zu "versiegeln", dass kein anderes Programm darauf zugreifen kann. Würde Disney seine Filme so verkaufen, könnten Sie niemals Ihre Rechte wahrnehmen ("Faire Use", "De Minimis" - Begriffe aus dem anglo-amerikanischen Rechtssystem). Wenn eine Anwendung Ihre Daten solcherart aufzeichnet, so sind Sie auf immer und ewig an diesen Verkäufer gebunden. Auch dies macht Freiheit Nr. 1 zum Schein - wenn veränderte Versionen eines Programmes nicht auf dieselben Daten zugreifen können, dann können Sie nicht wirklich das Programm nach Ihren wünschen verändern. Soetwas wie Palladium ist für eine kommende Windowsversion geplant.

AACS, "Advanced Access Control System" ("Fortgeschrittenes ZugriffsKontrollSystem"), von Disney, IBM, Microsoft, Intel, Sony und anderen unterstützt, zielt darauf ab, die Nutzung von HDTV-Aufzeichnungen - ebenso von Software - so zu beschränken, wie diese Gesellschaften es erlauben. Im letzten Jahr wurde Sony erwischt, als es ein "rootkit" auf Millionen von Rechnern installierte, ohne ihnen mitzuteilen, wie sie es wieder entfernen können. Sony hat seine Lektion gelernt: Nun installieren sie das rootkit, ehe Sie den Computer erhalten und dann können Sie es niemals mehr entfernen. Dies erforderte "robuste" Vorrichtungen - was bedeutet, dass diese nicht verändert werden können. Allerdings wollen diejenigen, die diese Vorrichtungen einbauen, sicherlich Programme nutzen, die unter einer GPL-Lizenz stehen; sie treten damit die Freiheit Nr. 1 mit Füßen. Dieser Plan sollte "versiegelt" werden, ein Boykott von HD DVD und Blu-ray wurde schon angekündigt (http://bluraysucks.com/boycott).

Es ist ein Versagen der Politik, wenn einigen Unternehmen gestattet wird, einen Plan zu erarbeiten, der unsere Freiheit zu Gunsten ihrer Gewinne verleugnet. Unter der Führung der US-amerikanischen Regierung handeln jedoch die meisten Regierungen der Welt als bezahlte Komplizen und nicht als Walter unserer Rechte. Die Copyright-Industrie hat ihre eigenen Vorstellungen von "richtig" und "falsch" so kraftvoll verkündet, dass manche Leser sich nur mit Schwierigkeiten vorstellen können, dass unsere individuellen Freiheiten über deren Profite stehen.

Was sollte die Freie-Software-Gemeinschaft angesichts dieser Bedrohungen unserer Freiheit also tun? Manche sagen, wir sollten nachgeben und akzeptieren, dass unsere Software auf eine Art verbreitet wird, die die Verwendung einer veränderten Version nicht gestattet, weil somit auch unsere Software beliebter wird. Manche beziehen sich auf "Freie Software" als "quelloffen" (open source ). Das ist der Wahlspruch eines unmoralischen Ansatzes in dieser Sache, begreift sie doch funktionsreiche und verlässliche Software als ihr höchstes Ziel. Wenn wir den Unternehmen gestatten, unsere Sofware zu benutzen, um uns zu beschränken, so wird dieses "Open Source DRM" dazu beitragen, uns stärker und verlässlicher zu beschränken. Die, die Macht in Händen halten, tun dies, indem sie den Quellcode der Software, die sie verwenden, veröffentlichen, von uns verbessern lassen und so ihren Nutzen aus Freier Software ziehen. Wir können natürlich auch den Quelltext lesen - lesen und weinen, wenn wir keine veränderten Versionen benutzen können. Für die Ziele der Freiheit und Gemeinschaft - die Ziele der Freie-Software-Bewegung - würde dieses Zuständnis einem Versagen gleichkommen.

Wir haben das GNU-Betriebssystem entwickelt, um unsere eigenen Computer kontrollieren und ohne Beschränkung in Freiheit zusammenarbeiten zu können. Beliebtheit unserer Software zu erlangen, indem wir auf unsere Freiheit verzichten, würde unsere Ziele vernichten; im allerbesten Falle schmeicheln wir unserer Eitelkeit. Deswegen haben wir die Version 3 der GNU GPL entworfen, um die Freiheit des Nutzers aufrechtzuerhalten, die Freiheit, den Quellcode zu verändern und die veränderte Fassung auch zu nutzen.

Die Debatte um die GPL v3 ist Teil einer breiteren Debatte um DRM contra unsere Rechte. Die Absicht der DRM-Systeme ist die Gewinnsteigerung für diejenigen, die uns diese aufbürden wollen. Doch sind die Gewinne von nebensächlicher Bedeutung, wenn die Freiheit von Millionen Menschen auf dem Spiel steht. Das Streben nach Gewinn - wenn auch an sich nicht falsch - kann dennoch nicht rechtfertigen, dass der Öffentlichkeit die Kontrolle über ihre eigene Technologie versagt wird. Diese Freiheit zu verteidigen, bedeutet, DRM zu verhindern.

Erste Veröffentlichung auf BusinessWeek Online.

Dr. Richard M. Stallman ist der Gründer des GNU-Projekts

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